Reise in die Vergangenheit

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Dreimal dürfta raten, wer sich da aufm Balkon tummelt. Ganz richtig, es ist das in diesem fall janz kleene Britti. Stolz wie Oskar mit Schultüte, obwohl ich stark annehme, dass der Stolz eher vom einst topaktuellen Monchichi herrührt. Die waren natürlich in Erichs schöner Volxrepublik äußerst schwer zu kriegen. Neben dem possierlichen Daumenlutscher befand sich dadrin aber auf jeden Fall noch eine billige Barbiekopie mit Gummibeinen und grünen Haaren. Ich hab sie solange heiß geliebt bis ich ne echte hatte (zwar ohne Hals, war aber wurscht); ab da musste die Wabbelige immer die intrigante Ziege spielen. An mehr Geschenke kann ich mich leider nich erinnern.
Das Foto muss jedenfalls um den 1. September 1987 herum aufgenommen worden sein, Einschulung war doch immer am gleichen Tag, mein ich mich zu erinnern?! Im Hintergrund kann man übrigens die Kreuzung Schönhauser Allee/Gleimstraße erkennen.
Hach damals war’s, kein Touri verirrte sich in die Gegend, und wenn doch, dann wurde er spätestens Ystader Straße von Grenzern abgefangen. Schwäbisch und Bayerisch waren mir gänzlich unbekannte Dialekte und die Wohnungen kosteten 80 Mark pro Monat. Da wo heute Fielmann ist, war die Schnellkantine “Erbsensuppe”, gegenüber ne olle Stanni-Ostkoofi. Früher, als ich der deutschen Orthografie noch nicht so mächtig war, dacht ich immer “Kaufhalle”, kommt von “Kau-Falle”, weil man da immer was kaufen muss, was man dann zuhause zum Abendbrot kaut. Drollig, was? Na nu weiß ichs besser.
Und es ist doch erstaunlich, dass ich dem Kiez treu geblieben bin als vermutlich allerletzte Ur-Prenzelbergerin. Aber einer muss ja die Stellung halten. Und vor Ort sein, wenn Baden-Württemberg wieder auszieht, um den nächsten “Szenebezirk” zu versnobben. Dis is wahrer Lokalpatriotismus.
Den Monchi ham se mir übrigens während des Sportunterrichts aus der Umkleide geklaut.

14 Responses to “Reise in die Vergangenheit”

  1. Jean Pierre Says:

    Na, na, was sind denn das für aufständige Worte gegenüber den Zugereisten (”Nei’gschmeckte”)? :-p

    Ich habe unseren Cubicle gerade mit einer baden-württembergischen Fahne verschönert (ich traute mich nicht, die badische Fahne beim schwäbischen Audolesbauer aufzuhängen). Ein bisschen Lokalpatriotismus tut immer gut ;-)

  2. Britta Says:

    tscha, jp, da musste wohl durch. leider biste n voller klischee-erfüller :-)

  3. Alex Says:

    Cool. Ich hatte nur nen kleinen Monchichi, aber find ihn heut immer noch genial. Muss sogar sogen, dass meiner trolliger aussah (war aber auch kleiner - kann allerdings auch an den Proportionen liegen). :-P

  4. Katzel Says:

    Nu biste also schon in dem Alter, in dem früher immer alles besser war und du dich wehmütig an die guten alten Zeiten erinnerst?! ;-)
    Und ich bin mir sicher, es gab auch zu Ostzeiten Touris, die kamen eben nur ausm sozialistischen Ausland.

    Und du bezeichnest dich als Ur-Prenzler? ;-) Dit, wo du schon zweimal ins kapitalistische Ausland geflüchtet bist?! Ich mag bezweifeln, dass dich diese Ausflüge noch auf die Straße der Besten bringen! In diesem Sinne: Immer bereit!!! :-)

  5. Britta Says:

    @ katz: und die durften trotzdem nich ins grenzgebiet.
    und für meine heimatliebe spricht ja wohl, dittick immer wieder zurückgekommen bin, frollein.

    nochma zur erinnerung: wer hat denn bitte gleich nachm abi rüber inn schwarzwald jemacht? muss ick noch mehr sagen?

    und damit gebe ich zurück an Katz mit einem sozianuschlichen: Freundschaft!

  6. Katzel Says:

    Ich geb ja auch nich an, Ur-prenzler zu sein! ;-) Aber der Ur-Berliner in mir findet eben doch immer wieder hierher zurück! Und nache Schule musste ich mich ja von dir erholen - das ging so weit weg ganz gut. :-)

    Möchteste noch mehr uralte Ost-Erinnerungen auferstehen lassen? Stinkende Dreieckstütenmilch, die hinter Heizungen ihrem Schicksal überlassen wurde, Fahnenapell, Solibasar, Feffis, leckerstes Softeis, Pioniertüchlein und die adrette Pionierkleidung, rote Sterne für gute Altstoffsammelergebnisse, Subotnik.

    Wir Jungpioniere lieben den Frieden.
    Wir Jungpioniere halten Freundschaft mit Kindern der Sowjetunion und aller Länder.
    Wir Jungpioniere lieben unsere Eltern.
    Wir Jungpioniere treiben Sport und halten unseren Körper sauber und gesund.

    Noch mehr??? ;-)

  7. Britta Says:

    jaaaaaa:
    emmi, der rosa sero-elefant
    lolek und bolek
    gruppenrat (ick war bekanntermaßen wandzeitungsredakteur)
    “ich melde die klasse 2b zum unterricht bereit”
    schulgartenbrigade
    :-)
    wer hat mehr?

  8. Katzel Says:

    Also dann, weiter: Ich war Gruppenbuchverantwortliche. Und hab dieses seltene Stück Geschichte sogar noch zuhause. Was hat eigentlich der Agitator gemacht?

    Wir Jungpioniere lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert. (Britt, durftest du mit deinen Schludrich-Haufen Jungpionier sein???)

    Wir Jungpioniere achten alle arbeitenden Menschen und helfen überall tüchtig mit. (Zum Glück sind wa aus dem Alter raus!)

    Wir Jungpioniere sind gute Freunde und helfen einander.

    Wir Jungpioniere singen und tanzen, spielen und basteln gern.

    Mit den folgenden Worten an die freie deutsche Jugend gebe ich weiter: “Ich verspreche, ein guter Jungpionier zu sein. Ich will nach den Geboten der Jungpioniere handeln.”

  9. wohngebietsadonis Says:

    Wir Thälmannpioniere halten Freundschaft mit der Sowjetunion und allen anderen sozialistischen Bruderstaaten.

  10. wohngebietsadonis Says:

    wollt nur mal so anmerken, ditte laut Zwang Mitgliederliste imma noch in Kanada wohn tust? Bin mir aber ziemlich sicher dittick Dich neulich hier in Berlin hab rumloofen seen.

    Außadem wolltick noch saren, dit dis “Restaurant” im Volksmund nur als “Schnellfresse” bekannt war.

  11. Sinamaus Says:

    Ick war nur stellvertretender Gruppensprecher. Musste ick nich so oft wat sagen. Och jut. ;-)
    Aber dann kennt ihr betsimmt och alle die jute alte Kettwurst… und nüschte gegen die Dreieckstüten. Ok jestunken hamse aber n bißchen lecker war die Vanille och. Und die goldene 1 für Verkehrskunde ;-)

  12. Britta Says:

    original kettwurscht kannste immernoch bei alain’s snack (dit apostroph hab ick mir nich ausjedeucht) koofen. gegenüber s-bhf. schönhauser.
    gloob agitator und wandzeitungredakteur war disselbe, oder??? wer weiß mehr?
    und kennt ihr schon die story von meiner russischen brieffreundin olga aus kursk? die hat mir immer ihre glattgebügelten bonbonpapiere geschickt. und irgendwelche ausgeschnittenen fetzen. denen mussit ja echt schlecht gegangens ein…
    wir hatten jedenfalls sogar bananen, manchma ooch kiwis und ab und zu westsüßigigkeiten ausm intershop. pilly-mix war heißbegehrt. wer kennts? gibsis noch?

  13. Katzel Says:

    Du hattest als Ostkind Kiwis??? Nich schlecht! Ich durfte die Teile erst nache Wende kennenlernen - und dis war sehr merkwürdig. Und die komischen Bonbonpapierchen von unsren russischen Freunden hab ich auch bekommen. Ich musste irgendwann, aus welchen Gründen auch immer, irgendnem Russenjungen namens Sergej ein Päckchen schicken. Und in seinem Antwortpäckchen waren besagte Bildchen und Briefmarken! ;-)

  14. alex Says:

    hihi britta du bist echt ne kuhle sau ;) bin hier nur durch zufall reingestolpert, hat natürlich mit druck und papier zu tun, naja wollt nur mal hallöle sagen aus dem fernen zürich!!

    alex

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